Hier sein oder verfrühter Abend hat Bier im Mund

Hier sein, da sein, zu Hause in Musik und Subkultur, ich habe einen Abend, meinen ersten Abend. Hamburg Innenstadt grüßt. Nach ersten Wegfindungsschwierigkeiten im Willkommen-im-Sexismusland (sieh das doch mal locker- NEIN!) und einiger Überforderung ob der Fülle an Männern und Pack, Pack = Männer, habe ich das Kellerloch gefunden. Ein Skinheadabend und ich mittendrin! Wie schön! Wie zu Hause, Bergedorfer Gesichter, wir schreiben Geschichten fort, verstetigen uns, es passiert was und wir wissen noch nicht was, haben eine Ahnung. Noch 15 Euro in der Tasche, hoffe ich bis zum Morgenglühen zu bleiben, mit feministischen Bedenken vor der Großstadt, die hier wie dort männerlastig bleibt. Ich habe Bekannte, die Sorge tragen werden, aber ob sie mich nach Hause schleppen?

Abendveranstaltungen überlagern sich – Berlin/Teupitz ist in Leipzig – ohne mich in meiner Wahlheimat, mit meiner Wahlfamilie, was mich traurig stimmt und wohlig – ich habe Konzertkarten für Januar für uns – wir vielleicht an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit in erster Reihe? Ich drücke uns die Daumen dafür! Mein Blick fällt auf die Playlist, die mitgenommen werden will, während neben mir der Stresserskinhead mit seinem besoffenen Tiefschlaf von der Bank auf den Boden sinkt. Nicht mal ein Lächeln hab ich übrig. Nebenbei dröhnt sich meine Wahlplaylist ins klopapierverstopfte Ohr. Auch schön! Und ich kurz vor der Beutejagd – mein Playlist- Repertoire wächst! Mein Beutezug erfolgreich – mein Hintern wärmt die zwei Playlists, während ich an die wunderschönen Bäuche der Tresenfrauen denke.

Hier lässt es sich aushalten, fragt sich nur, wie lange noch? Die Lust ist groß, die Woche war lang und ich mittendrin zwischen Bergedorf und Berlin und Hamburch! Heimat und Heimatwerdend, ohne unangestrengte Aufladung des Begriffs und vergessener Frankfurt- Kategorie F Schal, der in meiner Tasche landet.

Was’n Tag! Vom behüteten Bergedorf, des Chics des Cafes Chrysanders zu einer leckeren selbstgemachten Kürbissuppe, die heute besser schmeckt als gestern sowieso schon, nach Hause, das auf Abstand betrachtet eine Unterkunft bleibt zu einem traurigen Abschied der Wahlfamilie: Patenkind und liebe Freundin [S’s Lieblingssong dröhnt sich in meine Birne, ich muss die Augen geschlossen halten! Ein Blick auf die Uhr – kurz vor 1, ich glaube es zu schaffen! So viel geraucht hab ich schon lange nicht mehr, aber das gehört wohl dazu zu so einem Abend!]

Danach folgt kurze Zeit später ein Ausflug nach Warnsbeck zum Konzert der LOLA-Band, im Anschluss folgen HDJ-Bands, HDJ?, die Assoziationskette erzeugt einen anderen Begriff [die Frage schleicht sich mittlerweile ein, ob ich bis 5 schreiben werde und der Appell 3,10 für die Rückfahrt im Portmonee (dieses Wort konnte ich noch nie schreiben und Geldbörse mag ich nicht) zurückzuhalten, um den Heimweg finanzieren zu können!
Die Bands spielen Smasher meiner Jugend, eine meiner ersten CD’s, die ich vom eigenen Geld erworben habe, Skunk Anansie – und das Wundern darüber, dass der noch eine Relevanz hat! Was für ein vorabendliches Programm und dann die Entscheidung – es in die Stadt zu wagen – so jung komm wir nicht mehr zusammen, wissend mach ich mich entgegen der Erwartungen zu spät auf den Weg. In vino veritas fast verpasst, drei Songs gehen noch, weswegen ich doch eigentlich hier bin. Die Dortmunder spielen sich im Anschluss in mein Herz. Ja! Hier bleiben! Die Deckenplakate sagen mir viel, the Business, Clah Freiburg, Slime, the Bones, Force Attack 2009 (hab ich da nicht am Einlass gearbeitet von 2-14 Uhr mit 30 Grad Temperaturunterschied in der Schicht?), ich bin zu Hause, oie und punke, werde warmherzig aufgenommen und sitze hier, in Erwartung was kommen mag. Der Kicker wartet, während mich die Musik auf Gedankenreise schickt und der Stift über die Seiten tanzt und das Bier in meinem Kopf, Hamburg, ja, Hamburg ist mehr als eine Reise wert! Ich geh mal am Kicker vorbei und gucke was die Crew macht.

Es ist jetzt drei Stunden später. Teil 2 folgt.

Nachti, nachti