Herbstige Kälte in Bergedorf oder wie die Nacht in den Morgen geht (2.Teil)

Die Crew stand draußen und gemeinsam zogen wir weiter. Die Straße in Sankt Pauli bumsvoll, die Leute zum großen Teil hackedichte Männer, aus jedem Laden dröhnt eine andere Musik, kommt eine andere Geruchswolke, mitgesungene Zeilen, Menschen, die auf Tischen und Tresen tanzen und wir auf dem Weg ins Onkel Oddos. Noch ne Getränkeration und dann ab zum Hafen. Das 1.Mal Hafen bei Nacht mit eigenen Augen sehen und erleben, sonst nur unzählige Kurzgeschichten und Romane gelesen, in dem er eine tragende Rolle spielt, auf den Landungsbrücken, durch den Elbtunnel zu Fuß auf die andere Seite der Elbe. Die Lichter der Stadt strahlen zu uns herüber und ich strahle mit, bin nun Susa_Labim, lausche dem Hafenarbeitsalltag, WorkingClass-Geschichten, den Geheimnissen und folge den ausgestreckten Fingern in die Richtungsweisungen und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wir bleiben trotz Regen, den anscheinend nur ich als Regen spüre. Die anderen nennen es Hamburger Niesel, wenn überhaupt. Ich möchte hier keinen Starkregen erleben. Müde düsen wir nach Bergedorf zurück. Nur bei Pamukkale ist noch was los: Börek an Düeum, die letzten Franzbrötchen in der Auslage, und eine Fliege, die mich trifft. Wir begegnen auf dem Nachhauseweg nur zweien, könnten Zivilpolizisten sein. Bergedorf schläft und ich schreibe am Abend, der Nacht und lege mich schlafen, wissend, dass ich morgen zum ersten Mal zum Sander Tannen fahre – Fussball, wenn ich zeitig aus dem Bett komme ASV 85, wenn nicht TSG85, 2. Frauen.
Ich nehme mir Zeit für ein sonniges Frühstück und düse dann die vielbefahrene Bergedorfer Straße zum Stadion. Ich rase förmlich, aus Furcht, den Anstoß zu verpassen. Der Beschilderung folgend, gehe ich kurz verloren, bin unsicher, ob doch bloß die Sportbar ausgeschildert ist, frage nach und bekomme ein Wundern, ob meiner Frage. Der Eingang liege auf der anderen Seite. Ist doch klar!
Ich bin neu hier.
Ach so!
Ja, zuweilen kommen neue, auch Fussballinteressierte in Bergedorf an und diese kennen sich noch nicht so aus!
Auf dem Platz erkennen C und ich uns wieder, sehen uns zum vierten Mal, diesmal bewusst. Wieder bin ich Susa und finde es schön! Fühlt sich nach einem Zuhause an, wenn auch auf Zeit und die ist zu einer noch etwas breiten Restwoche ausgedünnt.
Pünktlich zum verspäteten Anpfiff setzt Regen ein und die Damen laufen auf. Der Platz ist außerordentlich schlecht besucht und ich genieße den Sonntag als Sonntag, denke an Leipzig und den roten Stern, an Belrin und TeBeCe.
4:1 Klatsche (oder waren es 5), 2. Halbzeit deutlich besser als e erste. Ich fahre nach Hause und schreibe weiter an meinem Romanprojekt, mache Ideenskizze und schreibe den Beginn einer Psychiatrieszene, Material für die Lesung am kommenden Sonntag.
Doch ab Morgen kommt erstmal die Familie. Ich freue mich riesig. Das Schloss werde ich dann wohl eher sporadisch besuchen, freue mich dennoch sehr über Besuch dort, insbesondere zur Mittagschlafzeit werde ich dort erreichbar sein.
Der Tag plätschert vor sich hin, die Krimis sind spannend. Ich mag Liza Marklund, mag feministische Krimiautorinnen aus Schweden, habe das Uniseminar dazu sehr präsent im Kopf und die Romane. Und Walitzka habe ich heute zu Ende gelesen. Ich bin sehr inspiriert und der Schreck über das unvermittelte Ende wirkt noch stundenspäter nach. Gartenkolonie und Pflegeheim, auf Reisen sein in der Unstetigkeit, die sich auch Leben nennt. Das Buch hat mich, ich werde es wiederlesen.
Eine kleine Enttäuschung sitzt ebenfalls dort, direkt neben dem Schreck. Mein Pommesjiiiiper blieb ungestillt. Das Belami hat einen Brunchsonntag und montags Ruhetag; kenn ich so gar nicht aus Berlin, aber irgendwie auch schön, so heimelig, verschlafen. Ich bin kurz vor Feierabend für heut und wünsch:

Nachtinachti