Archiv für März 2015

30-zyklus: Arbeit – ach iwo — Leistung – langweilig — Lange Leitung – gekappt

Arbeit – ach iwo — Leistung – langweilig — Lange Leitung – gekappt

Mein Schiff auf weitem Meer
geworfen hin und her
Seekrankheit grüßt und verabschiedet sich zugleich, während:

Ihr in euren Häusern im Grünen,
Geschichten lest von Piratenbräuten und Wassermännern
Gewässernähe unbezahlbar –
im Speckmantel der Stadt

Ihr in euren Häusern im Grünen
hofft und drückt euch die Daumen –
Abzahlung bis zur Rente vielleicht,
dass die Kinder….
Ja, die Kinder! Ja- schaffe schaffe häusle baue,
Stein auf Stein, flacher als Betonklotz, ja, doch!

„Und sieh‘ nur, wie romantisch – und schau nur, wie grün
und das Bootshaus und der Wintergarten und wir wollen ihnen
doch etwas bieten und ja, die Arbeit nervt und ja,
die Familienzeit rar und die Freund_innenzeit
gibt es nur noch auf Raten und ja –
Schade, schon Schade!“

Meine Bibabutzelfrau rüttelt sich und schüttelt sich,
ihr Säckchen verlor sie mit Absicht am Fluss,
ob eine es fand? Ihr egal!
Mit hüpfenden Schritten lässt sie den Speckmantel hinter sich,
sucht andere Orte
verliert sich in Wellen und Straßenschluchten
nascht vom Brombeerstrauch – wird satt, zieht weiter
Morgen schon und übermorgen auch.

Wenn du sie siehst, grüße sie von mir,
wir waren einmal Freundinnen,
in diesen hellen Tagen,
wo wir uns manches Versprechen gaben, die gebrochen
nach Wolle zwischen den Zähnen schmecken,
die nicht geklebt werden können, nicht erneuert
einmal verbrannt.

Arbeit – anderswann vielleicht – Leistung – lilafarben nur — Lange Leitung – gehalten

für die Selbstvergewisserung und das Beisammensein
in Hängematten im Garten, in Liegestühlen auf Verkehrsinseln
mit Meer im Kopf!

30-zyklus: Wir lagen uns in den Gebeinen

Wir lagen uns in den Gebeinen

Wir lagen uns in den Gebeinen –
du in meinen, ich in deinen –
beisammen,
ineinander verkeilt
und lachten – lärmend Wände ein, Türen auf.
Es klirrte als wir daniederlagen!
Wie Glasscherben in Mosaik –

Wundgefallene liegen geblieben;
Bein auf Arm, Hand zur Faust:
Atem fasst Scherbenstaub,
Heu stachelt an Haut, wo wir lagen,
hält und hallt es lange nach.

Eine Schmerzerinnerung, skizziert in Gebeinen
vor Laibung balloniert die Hülle,
verfängt sich Sternenstaubatem in Papiertüten –
„Mutter“, rufe ich hinein und meine es auch so.
„Else“, ergänzt du daraufhin und meinst etwas anderes,
etwas weniger Symbolisches.

Wir lagen unter unseren Gebeinen,
du unter meinen, ich unter deinen,
beisammen –
holten wir gemeinsam Luft,
erinnerten der Fischschuppen in Kindheitssuppen –
Sonntags Karpfen – nahe der Erstickung
wiederholen Gewesenes zu anderen Zeiten,
in unseren lebhaften Gebrechen und den Fallen,
die wir auf unseren Wegen fanden.

Erleben mit dir,
wundgelacht und aufgestanden -
lagen wir uns in Gebeinen bei Nacht,
entschliefen sanft, muterschöpft,
um Schwung zu holen,
um zu schauen, wie weit uns unsere Geh-Beine am Morgen bringen –
in Gedanken der Regenbogen ein Nahziel,
in der Echtheit: wir auf dem Weg,
weg und beharrlich weiter.

30-zyklus

Rückwende

Den Blick verfangen zwischen den Wäscheleinenstangen
vor den grauen Einheitshäuserblöcken – tip tap tip tap
gerahmte Zimmer, ausgemessene Schnitte,
im Schwesternzimmer,
wo wir wuchsen
aus unseren Häuten, in unseren Herzen
vom Kind zum Mädchen zur ?

Der Enge geflüchtete,
abgeschnitten die geflochtenen Zöpfe
trage ich auf, was die Wäschetruhe herausgibt,
passe ich nicht mehr überall hin(ein)!

Rückwendung – „vor zurück zur Seite ran“,
summe ich, um noch einige Schritte zu gehen – im Jetzt
um das Straucheln zu richten
aber nicht hergerichtet – schon lange nicht mehr!

Kehrtwende angedacht,
verneint, verfluchtet, verbahnt,
höre das Gesagte, frage nichts mehr dieser Tage,
die erst wieder passend gemacht werden müssen.

„Vorwärts immer, rückwärts nimmer“, schreit es aus mir heraus,
während ich Richtungen suche,
Zurichtungen zu vermeiden suche,
Abrichtung niemals versuche.

Zeigefinger an Mittelfinger gedrückt
erhoben erneuere ich den Schwur
prallt der Blick ab in die Heimat,
die sich nicht mehr überall finden lässt –
Umkehr erlaubt zwar, aber unerwünscht.
Wünschen fortwährend erlaubt!

So wünsche ich und schwöre:
„Wenn wir’s uns schon machen, wird’s schön“
und bleibe dabei.